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Stromverbrauch messen — mit einem Steckdosenmesser zum Klartext
Die Frage, ob unsere alte Gefriertruhe im Keller zu teuer ist, habe ich zwei Jahre lang mit dem Typenschild beantwortet. Falsch beantwortet. Ein Steckdosenmesser für rund 20 Euro hat sie in einer Woche geklärt, und zwar mit der Zahl, die auf der Stromrechnung ankommt: Kilowattstunden. Ich bin kein ausgebildeter Kundendiensttechniker, und Messen am Stromnetz ist genau die Sorte Arbeit, bei der ich die Finger bei mir behalte — das Gerät steckt in der Dose, nicht im Gerät.
Kurz gesagt
- Ein Steckdosenmesser zeigt Spannung, Strom, Leistung in Watt und vor allem einen Zähler für Kilowattstunden.
- Rechnung: Watt mal Stunden geteilt durch 1000 ergibt kWh. Eine Dauerlast von 10 Watt kostet bei einem angenommenen Preis von 0,35 Euro pro kWh rund 31 Euro im Jahr.
- Mindestens 24 Stunden messen, besser eine ganze Woche. Eine Stunde sagt bei einem Gerät mit Zyklen gar nichts.
- 16 Ampere sind die Grenze der meisten Zwischenstecker-Messer, also 3680 Watt bei 230 Volt. Fest angeschlossene Geräte und Drehstrom gehen nicht.
- Erste Handlung: Netzstecker ziehen, bevor du etwas umsteckst oder ein Gerät von der Wand wegbewegst.
Was so ein Messgerät kann — und was nicht
Das Gerät ist ein Zwischenstecker mit Display: hinten in die Schuko-Dose, vorne das Gerät hinein. Es sitzt zwischen Netz und Verbraucher, und du öffnest gar nichts. Genau das ist der Grund, warum ich diese Art zu messen mag.
Angezeigt werden Spannung in Volt, Strom in Ampere, Leistung in Watt, dazu ein Zähler für Kilowattstunden und meist eine Laufzeit. Manche Geräte zeigen auch den Leistungsfaktor oder die minimale und maximale Leistung. Für unsere Zwecke zählt genau eine Zeile: der kWh-Zähler. Alles andere ist Beiwerk.
Grenzen zuerst: Die meisten dieser Zwischenstecker sind für 16 Ampere ausgelegt, also 3680 Watt bei 230 Volt. Was darüber liegt, gehört nicht daran. Ein Herdanschluss ist Drehstrom mit 400 Volt, und dafür ist so ein Stecker nicht gebaut — was fest angeschlossen ist, messe ich nicht.
Und zur Genauigkeit: Bei Dauerlasten im zwei- und dreistelligen Wattbereich sind die Werte brauchbar. Bei Verbrauchern unter einem Watt — Ladegeräte, Netzteile im Leerlauf — streuen billige Geräte stark. Für die Frage „lohnt sich das Abschalten“ reicht es, für zwei Kommastellen nicht.
Erste Regel: Stecker raus, dann umstecken
Netzstecker ziehen, bevor du ein Gerät herausziehst, den Stecker wechselst oder hinter ein Möbel greifst. Das gilt auch, wenn du nur ein Kabel verlegst, um die Dose überhaupt zu erreichen.
Schau dir Stecker, Dose und Kabel vorher an. Ist der Kunststoff verfärbt, wurde der Stecker im Betrieb warm oder wackelt die Dose, dann ist Messen das Falsche — das ist ein Fall für eine Elektrofachkraft. Ich öffne keine Steckdose und kein Gerätegehäuse, und ich arbeite nie an etwas, das unter Spannung steht.
Keine Kaskaden: Messgerät direkt in die Wanddose, Gerät direkt in das Messgerät. Keine Mehrfachsteckdose dazwischen und keine zwei Verbraucher an einem Messgerät, auch wenn der Stecker es mechanisch hergibt.
Und nicht im Feuchten. Ein trockener Keller ist in Ordnung, Bad, Balkon und Garten sind es nicht.
So messe ich
Zähler vorher auf null stellen. Die Taste ist klein und sitzt meist an der Seite; manche Geräte brauchen einen langen Druck, sonst setzt du versehentlich die Anzeige um. Danach benutzt du das Gerät ganz normal weiter — und genau dabei passieren die meisten Fehler: Wer eine Gefriertruhe eine Woche lang misst und den Deckel in dieser Zeit nicht öffnet, misst ein Leben, das nicht stattfindet.
Zur Dauer: Bei einem Kühlgerät mindestens 24 Stunden, besser sieben Tage, weil Wochentage und Wochenende unterschiedlich aussehen. Bei Waschmaschine und Spülmaschine zähle ich ganze Programme — zehn Waschgänge, kWh-Wert ablesen, durch zehn teilen.
Notiere Datum, Uhrzeit, Zählerstand, Raumtemperatur und was in der Zeit passiert ist: Tür geöffnet, Besuch, Urlaub, abgetaut. Ich schreibe das auf die Rückseite eines Umschlags, der direkt beim Gerät liegt, weil ich ihn sonst nicht wiederfinde.
Und kontrolliere den Stand nach der Hälfte der Zeit. Steht da eine Null, stimmt entweder die Verkabelung nicht, oder das Gerät hängt an einer anderen Dose, als du denkst.
Von Watt auf Euro
Die Formel ist kurz: Watt mal Stunden geteilt durch 1000 ergibt Kilowattstunden. Ein Jahr hat 8760 Stunden; wer eine Dauerlast hat, multipliziert die Wattzahl einfach mit 8,76 und hat die Kilowattstunden pro Jahr. Beispiel: Ein Receiver mit 8 Watt im Standby. 8 mal 8,76 ergibt rund 70 kWh im Jahr. Bei einem angenommenen Strompreis von 0,35 Euro pro kWh sind das 24,50 Euro — für ein Gerät, das die meiste Zeit nichts tut.
Beispiel Gefriertruhe: Gemessen 1,2 kWh in 24 Stunden. Aufs Jahr gerechnet 1,2 mal 365, also 438 kWh und rund 153 Euro. Stehen auf dem Label 280 kWh, ist die Differenz 158 kWh im Jahr, etwa 55 Euro. Damit hat die Frage nach dem Neukauf endlich eine Zahl statt eines Bauchgefühls.
Beispiel Waschmaschine: 0,8 kWh für einen 60-Grad-Lauf gegen 0,45 kWh bei 40 Grad macht 0,35 kWh Unterschied pro Ladung. Bei 200 Ladungen im Jahr sind das 70 kWh oder 24,50 Euro. Dafür musst du kein Gerät anfassen, nur den Drehknopf.
Der Strompreis ist eine Annahme. 0,35 Euro pro kWh ist der Wert, mit dem ich zuletzt gerechnet habe; Tarife unterscheiden sich deutlich, und manche Haushalte haben einen Zweitarifzähler. Nimm deinen eigenen Preis aus der letzten Abrechnung — die kWh-Zahl aus dem Messgerät bleibt dieselbe, nur die Euro-Zeile ändert sich.
Warum nur Messen die Frage nach der alten Truhe beantwortet
Auf dem Typenschild steht die Leistungsaufnahme, sagen wir 120 Watt. Das ist die Leistung in dem Moment, in dem der Verdichter läuft — nicht der Verbrauch. Wie lange er läuft, steht nirgends, und genau das ist die entscheidende Zahl.
Bei einem Kühlgerät ist diese Laufzeit der ganze Unterschied. Bei 120 Watt und einem Drittel Laufzeit kommst du im Mittel auf etwa 40 Watt. Ob es ein Drittel oder die Hälfte ist, entscheidet nicht das Alter, sondern: wie warm es im Keller ist, wie oft du öffnest, ob die Türdichtung noch schließt, wie voll die Truhe ist und wie dick die Reifschicht an den Wänden sitzt.
Zwei Gefriertruhen gleichen Alters können deshalb um das Doppelte auseinanderliegen. Dem einen Gerät siehst du den Mehrverbrauch nicht an, dem anderen schon: Reif an den Innenwänden, eine Dichtung, die beim Zettel-Test durchrutscht, ein Standort direkt neben der Heizung.
Deshalb messe ich, statt zu schätzen — und zwar nach jeder Änderung noch einmal. Abtauen, Dichtung tauschen, Standort wechseln: dreimal messen, dreimal eine Zahl, und erst danach steht fest, was die Maßnahme gebracht hat. Was dann noch übrig bleibt, ist eine Entscheidung: behalten, umstellen oder ersetzen.
Häufige Fehler
- Eine Stunde messen und aufs Jahr hochrechnen. Bei Geräten mit Zyklen ist das reiner Zufall.
- Den Anschlusswert vom Typenschild für den Verbrauch halten. Das ist eine Leistung, keine Arbeit.
- Mit einem Strompreis rechnen, der nicht deiner ist. Die 0,35 Euro sind eine Annahme — nimm den Preis aus deiner Abrechnung.
- Das Messgerät in eine Mehrfachsteckdose stecken oder zwei Verbraucher gleichzeitig daran betreiben.
- Im Hochsommer im warmen Keller messen und den Wert fürs ganze Jahr nehmen — oder umgekehrt im Februar.