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Wann sich eine Reparatur noch lohnt

Zwischen 2019 und 2021 habe ich an unserer Spülmaschine den teuersten Fehler gemacht, der in diesem Haus je passiert ist: zwei Jahre kein Spezialsalz, und die Wasserhärte an der Maschine nie eingestellt. Bei 18 °dH hat das gereicht, um das Heizelement zu verkalken — 240 Euro mit Arbeitszeit, bei einem Neupreis von knapp 500 Euro. Ich bin kein ausgebildeter Kundendiensttechniker, sondern jemand, der die Rechnung am Ende selbst bezahlt; seitdem rechne ich vorher nach, statt zu schätzen.

Wann sich eine Reparatur noch lohnt
Ein handgeschriebener Notizzettel auf der Arbeitsplatte, in drei Spalten: Neupreis heute, Alter in Jahren, Reparaturkosten mit Anfahrt; rechts daneben eine vierte Zeile mit „Ausfall pro Woche“ und einer Summe in Euro.

Kurz gesagt

Vier Zahlen auf einem Zettel

Bevor ich an einer Entscheidung herumdenke, schreibe ich vier Zahlen auf: Was ein vergleichbares neues Gerät heute kostet, wie alt das kaputte ist, was die Reparatur kostet, und was mich eine Woche ohne das Gerät kostet. Die ersten drei hat man in einer Viertelstunde zusammen — Neupreis aus dem Laden oder vom Zettel, Alter aus dem Kaufbeleg, Reparaturpreis als Angebot vom Kundendienst oder als Teilepreis aus dem Ersatzteil-Shop im Netz.

Die vierte Zahl fehlt fast immer. Sie ist die, über die am häufigsten gestritten wird, und sie hat bei uns schon öfter den Ausschlag gegeben als der Teilepreis.

Ich mache das schriftlich, weil ich mir im Kopf immer das herauspicke, was ich ohnehin tun wollte. Der Zettel ist billiger als der Irrtum.

Die Faustformel

Sie ist kurz: Teilepreis + Arbeitszeit ≤ Neupreis × Restlebensfaktor.

Der Restlebensfaktor ist (erwartete Laufzeit − Alter) geteilt durch die erwartete Laufzeit. Als Laufzeit setze ich an: Waschmaschine zwölf Jahre, Spülmaschine zehn, Kühlgerät vierzehn, Trockner zwölf, Staubsauger acht. Das sind Erfahrungswerte aus diesem Haus und aus dem, was Nachbarn und Verwandte so erzählen — keine Herstellerangabe.

Durchgerechnet an unserer Spülmaschine: 500 Euro Neupreis, vier Jahre alt, Reparatur 240 Euro. Faktor (10 − 4) / 10 = 0,6, Budget also 300 Euro. Das war knapp, aber drin — und ich hätte die Maschine in dem Zustand ungern weggeworfen.

Dieselbe Rechnung mit acht Jahren: Faktor 0,2, Budget 100 Euro. Da hätte ich ersetzt, selbst wenn das Teil nur 90 Euro gekostet hätte. Bei elf Jahren: Faktor 0,1, Budget 50 Euro. Da lohnt nur noch, was ich selbst an einem Nachmittag wechseln kann, ohne jemanden zu bezahlen.

Eine Ergänzung, ohne die die Formel trügt: Wenn du selbst reparierst, ist die Arbeitszeit nicht null. Ich setze zwei Stunden meiner eigenen Zeit an, zusätzlich zum Teil. Alles andere macht jede Reparatur zur scheinbar guten Idee. Und liegt der Faktor unter 0,15, kaufe ich neu — die Wahrscheinlichkeit, dass im nächsten Jahr das nächste Bauteil folgt, ist dann einfach zu hoch.

Was kostet der Ausfall?

Die Frage, die niemand stellt, ist nicht, was die Reparatur kostet, sondern was du bis dahin täglich zahlst, wenn du sie nicht machst.

Waschmaschine, eine Woche still, zwei Kinder im Haus: Ich komme auf fünf Maschinen pro Woche. Im Waschsalon kostet eine 7-Kilo-Ladung etwa vier bis fünf Euro, das Trocknen noch einmal drei bis vier. Macht grob 40 Euro pro Woche, plus zweimal Anfahrt und je eine Dreiviertelstunde Warten. Nach sechs Wochen bin ich bei über 240 Euro und habe immer noch keine eigene Maschine zu Hause.

Bei der Gefriertruhe ist es einfacher und dramatischer: Der Inhalt ist meist teurer als das Gerät. Hundertzwanzig Liter voll sind bei uns schnell 300 Euro, und der Ausfall ist nach acht Stunden real, nicht nach einer Woche.

Beim Kühlschrank kommen die Lebensmittel und der Aufwand einer Ersatzkühlung zusammen. Bei der Spülmaschine sind es keine Euro, sondern Zeit: eine knappe halbe Stunde Handspülen pro Tag, sieben Tage lang — dreieinhalb Stunden, die dir niemand erstattet.

Und ein Trockner, der im Januar ausfällt, ist teurer als im Juli: Wäscheständer in der Wohnung heißt Feuchtigkeit, und in einem Haus von 1998 mit kalten Außenwänden ist das eine Schimmelfrage, keine Komfortfrage.

Dann gibt es den Fall, der alles umdreht: Steht ein altes Gerät noch im Keller, ist der Ausfall fast null. Dann gilt nur die kalte Rechnung, und die fällt deutlich strenger aus.

Wann die Rechnung kippt

Ein paar Fälle, in denen ich nicht mehr rechne:

Und falls du selbst Hand anlegst, gilt vor dem ersten Handgriff dasselbe wie in allen meinen Texten: Netzstecker ziehen, bei Wasseranschluss den Hahn zudrehen. Die Rechnung läuft erst, wenn das Gerät spannungsfrei ist.

Bei alten Geräten kommt ein Posten dazu, der gern vergessen wird: der Stromverbrauch. Unsere Gefriertruhe habe ich mit einem Steckdosenmesser für 20 Euro eine Woche lang gemessen und aufs Jahr hochgerechnet — 420 Kilowattstunden. Ein vergleichbares neues Gerät steht auf dem Label bei etwa 170. Die Differenz von 250 Kilowattstunden sind bei 0,35 Euro rund 87 Euro im Jahr; bei 500 Euro Anschaffung rechnet sich das in knapp sechs Jahren. Eine Reparatur für 200 Euro an einem Gerät dieses Alters dagegen fast nie.

Der Blick nach Brüssel

Auf europäischer Ebene wird seit Jahren daran gearbeitet, Reparieren leichter zu machen: Hersteller sollen Ersatzteile, Werkzeug und Reparaturinformationen für bestimmte Gerätegruppen über eine feste Zahl von Jahren bereithalten, und es gibt Vorgaben zu Haltbarkeit und Energieeffizienz. Im Gespräch sind Zeiträume, die deutlich über die übliche Garantie hinausgehen. Wie davon was und wann in deutsches Recht gegossen wird, steht in Verordnungen, die ich hier nicht nacherzähle.

Für die Rechnung auf deinem Zettel ist das zweitrangig: Was du heute bestellst, bestellst du mit der E-Nummer, und was es kostet, kostet es. Ich erwähne es nur, weil ich mehr als einmal davor stand, dass ein Teil für ein acht Jahre altes Gerät schlicht nicht mehr zu bekommen war — und weil genau daran gearbeitet wird.

Wenn ich nicht weiterweiß

Liegen die Zahlen nah beieinander, hole ich ein Angebot ein. Ein Kostenvoranschlag kostet oft zwischen 60 und 90 Euro und wird angerechnet, wenn du reparieren lässt. Das ist günstiger als eine Entscheidung aus dem Bauch, die in die falsche Richtung geht.

Dann setze ich mir eine Frist — bis Freitag, nicht „irgendwann“. Jeder Tag, den du zögerst, kostet den Betrag aus der vierten Zeile. Und ich schreibe danach auf, was ich getan habe und warum; beim nächsten Gerät muss ich dann nur noch die Zahlen ersetzen.

Was nicht in die Rechnung gehört: was das Gerät einmal gekostet hat. Das Geld ist weg, egal was du heute tust. Entscheidend ist, was ein vergleichbares neues Gerät kostet — und was dich die Zeit ohne Maschine kostet.

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