Start › Ratgeber › Standby — das Geld, das jedes Jahr hinten rausfällt
Standby — das Geld, das jedes Jahr hinten rausfällt
Im Wohnzimmerschrank lief jahrelang ein Receiver, den niemand mehr brauchte. Acht Watt, rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr — zusammen knapp 70 Kilowattstunden für gar nichts. Ich bin kein ausgebildeter Kundendiensttechniker, aber rechnen kann ich, und seitdem gehe ich jede Steckdose im Haus mit einem Messgerät ab.
Kurz gesagt
- Jedes Watt, das rund um die Uhr läuft, kostet bei angenommenen 0,35 €/kWh gut 3 Euro im Jahr. Acht Watt sind 70 kWh und rund 24,50 Euro.
- Erst messen, dann schalten. Der Steckdosenmesser zeigt, wo es wirklich zieht — die meisten Verdächtigen sind es nicht.
- Router, alles mit Uhr oder gespeichertem Programm und alles, was nach einem Stromausfall neu eingestellt werden müsste, bleibt an.
- Eine schaltbare Steckdosenleiste löst das Problem dort, wo mehrere Geräte gemeinsam aus können. Für Großgeräte ist sie der falsche Weg.
- Unter einem Watt lohnt der Aufwand nicht. Erst die großen Posten, dann die Feinarbeit.
Was ein Dauerwatt kostet
Die Rechnung ist einfacher, als man denkt, und sie ist der einzige Maßstab, den ich benutze. Ein Watt, das 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr läuft, kommt auf 8,76 Kilowattstunden im Jahr. Bei einem angenommenen Strompreis von 0,35 €/kWh sind das gut 3 Euro — für ein einziges Watt.
Multipliziere das mit dem, was in einem typischen Wohnzimmer zusammenhängt: ein Receiver mit 8 W, ein Fernseher im Schnellstart mit 12 W, eine Soundbar mit 5 W, eine Spielkonsole im Standby mit 10 W. Zusammen 35 W, rund 306 kWh im Jahr, also etwa 107 Euro. Dafür bekommt man nichts außer einer Leuchtdiode.
Zur Einordnung: Die EU hat die zulässige Leistungsaufnahme im Bereitschaftsbetrieb über die Jahre auf 0,5 W gedrückt. Neue Geräte sind also meist unauffällig. Das Problem im Haushalt sind nicht die neuen Geräte, sondern die alten — und die Geräte, bei denen „aus“ gar kein Aus ist.
Messen statt schätzen
Mein Steckdosenmesser hat damals um 20 Euro gekostet und war das nützlichste Werkzeug, das ich in diesem Haushalt angeschafft habe. Der Ablauf ist immer derselbe: Messgerät in die Dose, Gerät einstecken, Leistung in Watt ablesen. Für Geräte mit schwankendem Verbrauch lasse ich es 24 Stunden oder eine ganze Woche dran und lese die kWh ab — das ist genauer als jede Momentaufnahme.
Ich gehe das Haus in einer festen Reihenfolge durch, damit ich nichts übersehe: Wohnzimmer (Fernseher, Receiver, Soundbar, Konsole), Arbeitsplatz (Rechner, Monitor, Drucker, Netzwerkverteiler), Küche (Kaffeeautomat, Mikrowelle, Wasserkocher mit Display), Flur und Keller (Router, Telefon, Ladegeräte, die alte Truhe).
Wichtig ist, in beiden Zuständen zu messen. Erst im Betrieb, dann im Standby, und dann in dem Zustand, den das Gerät „aus“ nennt. Bei unserem alten Receiver lagen zwischen „an“ und „aus“ nur wenige Watt — das war der eigentliche Befund. Und bei manchen Fernsehern ist der Unterschied zwischen echter Aus-Option und Schnellstart größer als der zwischen Betrieb und Standby.
Danach sortiere ich grob: Unter 1 W — vergiss es. 1 bis 3 W — nur im Verbund interessant, also wenn drei oder vier davon an einer Leiste hängen. Über 5 W — da gehört ein Schalter hin.
Was du nicht einfach abschaltest
Bevor irgendwo ein Schalter hinkommt, stelle ich eine Frage: Wird irgendetwas schlechter, wenn das Gerät zwölf Stunden ohne Strom war? Wenn ja, bleibt es an. Die Liste der Kandidaten ist kurz, und sie ist jedes Mal dieselbe:
- Router und Modem. Nachts laufen Firmware-Updates, und bei vielen Anschlüssen hängt das Telefon daran. Ein Router, der jeden Abend aus ist, bekommt Updates nur zufällig.
- Alles mit Uhr oder gespeichertem Programm. Die Uhr am Backofen, die Startzeitvorwahl an der Waschmaschine, das Zeitprogramm des Saugroboters. Ein Gerät, das nach jedem Stromausfall neu eingestellt werden muss, ist schnell teurer an Nerven als an Strom.
- Kühlgeräte und Gefriertruhe. Selbstverständlich, aber ich schreibe es hin, weil ich es schon falsch gesehen habe.
- Alles an der Heizung und an Gas. Nicht mein Bereich und nicht deiner — das gehört zum Fachbetrieb.
- Rauchmelder, Alarmanlage, alles mit Sicherungsfunktion.
Umgekehrt ist die Gruppe, die fast immer aus kann, lang: Fernseher und Zubehör, Receiver, Lautsprecher mit Netzteil, Drucker, Ladegeräte, der Zweitmonitor, die Spielkonsole, die Küchenkleingeräte mit Display, der Wasserkocher mit Temperaturwahl. Keines dieser Geräte verliert etwas, wenn es über Nacht ohne Strom ist.
Die schaltbare Steckdosenleiste richtig einsetzen
Eine schaltbare Leiste ist die einfachste Lösung, wenn mehrere Geräte gemeinsam aus können und gemeinsam wieder an dürfen. Das ist der eigentliche Punkt: Gruppiere nach gemeinsamem Schicksal, nicht nach Raum. Fernseher, Receiver und Soundbar sind eine Gruppe. Drucker, Scanner und Zweitmonitor sind eine zweite. Der Router ist keine Gruppe mit dem Fernseher.
Zur Technik, damit nichts schiefgeht: Eine handelsübliche Leiste ist für 16 A ausgelegt, bei 230 V sind das 3680 W. Auf der Leiste steht fast immer ein etwas niedrigerer Wert — der Aufdruck gilt, nicht die Faustformel. Für unsere Zwecke ist die Grenze ohnehin nie das Thema.
Was ich nicht mache:
- Leisten hintereinander stecken. Zwei Leisten ineinander sind im Wohnzimmer genauso falsch wie auf der Baustelle.
- Großgeräte über eine Leiste schalten. Waschmaschine, Trockner und Spülmaschine gehören an die Wand — wegen der Dauerlast und wegen der Feuchtigkeit. Eine Leiste unter der Spüle ist eine Idee, die in keinem Schrank gut ausgeht.
- Leisten abdecken oder einklemmen. Hinter dem Schrank, unter dem Teppich, unter einem Stapel Zeitschriften: Wärme muss weg.
- Master-Slave-Leisten für alles halten. Sie funktionieren nur, wenn das Master-Gerät seine Leistung deutlich ändert. Ein Fernseher im Schnellstart tut das nicht, und dann bleibt die ganze Gruppe wach. Eine einfache mechanische Leiste mit Kippschalter ist in diesem Fall zuverlässiger — und zieht selbst keine 0,5 bis 1 W für die Fernbedienungselektronik.
Nach dem Umschalten: prüfen, ob es hält
Das Sparen passiert nicht am Tag, an dem du die Leiste kaufst, sondern in jedem Monat danach. Ich kontrolliere deshalb zweimal: direkt nach der Umstellung und noch einmal sechs Wochen später. Beim zweiten Mal stelle ich dieselbe Frage — ist die Leiste noch aus, wenn sie aus sein soll? Ein Schalter, den du nach zwei Wochen nicht mehr umlegst, spart genau nichts.
Der Praxis-Test dauert einen Abend: alle Gruppen aus, Messgerät in die Zuleitung, den Zähler am Stromzähler im Keller ablesen, am nächsten Morgen noch einmal. Der Unterschied ist der Betrag, den du wirklich gewinnst. Bei uns waren es auf einen Schlag rund 40 Watt, die über Nacht wegfielen.
Und dann die nüchterne Einordnung: Ein Handy-Ladegerät, das ohne Handy in der Dose steckt, liegt heute unter 0,3 W — das ist weniger als ein Euro im Jahr. Den Stecker für jedes Netzteil einzeln zu ziehen, ist Fleißarbeit an der falschen Stelle. Der Gewinn liegt bei den zwei oder drei Geräten mit Display, Uhr und Netzteil, die nie wirklich ausgehen. Finde die, und der Rest ist Kosmetik. Das war's schon.
Häufige Fehler
- Jeden Stecker ziehen, der zu finden ist. Ein Ladegerät ohne Gerät liegt unter 0,3 W und kostet keine 1 Euro im Jahr. Fang bei den Geräten mit Display und Netzteil an.
- Nur im Standby messen und dann aufhören. Manche Geräte ziehen „ausgeschaltet“ fast genauso viel — die Anzeige am Messgerät entscheidet, nicht die Leuchtdiode.
- Großgeräte über eine Leiste schalten. Waschmaschine, Trockner und Spülmaschine gehören an die Wand; die Leiste unter der Spüle ist keine Ersparnis, sondern ein Risiko.
- Den Router mit auf die schaltbare Leiste legen. Danach laufen keine Updates mehr, und das Telefon ist nachts still.
- Sich über 0,5 W aufregen, solange ein alter Receiver mit 8 W durchläuft. Erst die großen Posten, dann die Feinarbeit.