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Energielabel A bis G — was seit 2021 wirklich draufsteht

2021 hat die EU die Skala neu sortiert, und seitdem ist ein A nicht mehr das, was es 2018 war. Ich stand vor einem Label und dachte erst, ich hätte mich verlesen: Eine Maschine von 2019 trug ein A+++, nach der neuen Rechnung wäre sie heute ein C. Ich bin kein ausgebildeter Kundendiensttechniker, und ich verkaufe nichts — ich lese nur die kleinen Zahlen, weil die großen Buchstaben inzwischen wenig aussagen.

Energielabel A bis G — was seit 2021 wirklich draufsteht
Zwei EU-Energielabels nebeneinander auf dem Küchentisch: links die alte Skala mit A+++, rechts die seit 2021 gültige Skala von A bis G, daneben ein Notizzettel mit den herausgeschriebenen kWh-Angaben.

Kurz gesagt

Warum 2021 neu sortiert wurde

Vorher war die Skala nach oben offen: erst A, dann A+, A++, A+++. Nach ein paar Jahren hing fast alles in den Plus-Klassen, und der Buchstabe hat nichts mehr unterschieden. Man konnte zwei Geräte mit A+++ kaufen, die im Verbrauch weit auseinanderlagen.

2021 wurde die Skala deshalb auf A bis G zurückgeschnitten, ohne Plus. Der Schnitt war absichtlich streng: Zum Start sollte praktisch kein Gerät ein A erreichen, damit nach oben Luft bleibt. Die Skala sollte Bewegung von den Herstellern verlangen, nicht Etiketten verteilen.

Für dich heißt das zweierlei. Erstens: Vergleiche nie einen alten Buchstaben mit einem neuen. Zweitens: Ein Gerät von 2019 ist nicht schlecht geworden, es wird nur anders einsortiert — heute meist B oder C, bei Kühlgeräten häufig C oder D.

Ob du eine alte oder eine neue Fassung vor dir hast, erkennst du sofort: Stehen Plus-Zeichen auf dem Etikett, ist es die alte Skala. Auf den neuen Etiketten findest du außerdem einen QR-Code und eine Verordnungsnummer der Produktgruppe.

Der Buchstabe ist eine Klasse, die kWh-Zahl ist eine Rechnung

Der Buchstabe fasst ein Prüfergebnis in eine Stufe. Die Zahl darunter ist das, was du bezahlst. Wenn du nur eine Sache von diesem Label mitnimmst, dann die Kilowattstunden — achte dabei auf die Bezugsgröße, die direkt daneben steht: Bei Kühl- und Gefriergeräten heißt sie „pro Jahr“, bei Waschmaschine, Spülmaschine und Trockner „pro 100 Programme“. Teile durch 100, dann hast du den Wert pro Durchgang.

Beispiel Waschmaschine: 74 kWh pro 100 Programme sind 0,74 kWh pro Waschgang. Bei einem angenommenen Strompreis von 0,35 Euro pro kWh sind das gut 0,26 Euro pro Ladung. Bei 200 Waschgängen im Jahr kommen 148 kWh zusammen, also rund 52 Euro.

Beispiel Kühlschrank: Zwei Geräte mit demselben Buchstaben C können sich um 30 kWh im Jahr unterscheiden. Über 15 Jahre Laufzeit sind das 450 kWh, bei 0,35 Euro etwa 158 Euro. Der Buchstabe war gleich, das Geld nicht.

Und eine Einschränkung, die dazugehört: Der Prüflauf findet unter festgelegten Bedingungen statt — bestimmte Ladung, Referenzwaschmittel, Wasser einer festgelegten Härte. Bei unseren 18 °dH und meiner Dosierung sieht der Alltag anders aus. Das Label ist ein Vergleichswert zwischen Geräten, keine Prognose für deine Küche.

Was sonst noch draufsteht

Das Fassungsvermögen: Kilogramm bei der Waschmaschine, Maßgedecke bei der Spülmaschine, Liter Nutzinhalt beim Kühlschrank. Ohne diese Zahl ist die kWh-Angabe wertlos — ein großer Kühlschrank darf mehr verbrauchen als ein kleiner, und nur der Bezug auf den Inhalt macht den Vergleich ehrlich.

Der Wasserverbrauch in Litern pro Programm. Bei Waschmaschine und Spülmaschine ist das Wasser meist der größere Posten auf der Nebenkostenabrechnung, weil es erwärmt werden muss. Wer beim Waschen beim Wasser spart, spart fast immer auch beim Strom.

Die Programmdauer des „Eco“-Programms in Stunden und Minuten. Das ist der Lauf, auf den sich der Energiewert bezieht. Er dauert länger als dein 30-Grad-Schnellprogramm und verbraucht trotzdem weniger, weil die Temperatur den Unterschied macht, nicht die Uhr.

Die Geräuschemission in dB(A), zusammen mit einer Klasse von A bis D. Drei Dezibel Unterschied sind hörbar, zehn Dezibel empfindest du in etwa als doppelt so laut. Bei der Waschmaschine zählt vor allem der Wert beim Schleudern, weil das der Lärm ist, den du abends im Flur hörst. Daneben findest du auf dem Label einen QR-Code: Er führt in die EU-Produktdatenbank, wo das Datenblatt und die Modellbezeichnung stehen — praktisch, wenn du zwei Geräte vergleichst, die im Laden nicht nebeneinander stehen.

Was das Label verschweigt

Den Standby-Verbrauch. Was ein Gerät im ausgeschalteten Zustand zieht, steht nicht auf dem Energielabel. Bei einzelnen Küchengeräten liegt das unter einem Watt, bei Geräten mit Display, Uhr oder Netzwerk deutlich höher — und diese Verbraucher laufen 8760 Stunden im Jahr.

Reparierbarkeit und Ersatzteilpreise. Ein sparsames Gerät, dessen Türschalter in fünf Jahren 90 Euro kostet und das nach acht Jahren nicht mehr lieferbar ist, hat seine Ersparnis schnell aufgebraucht. Auf dem Papier bleibt es sparsam, in der Werkstatt wird es teuer.

Deine Bedingungen gehen in keine Prüfnorm ein: die Wasserhärte am Aufstellort, die Raumtemperatur im Sommer, wie voll du die Maschine lädst und wie oft du die Tür öffnest. Zwischen Prüfstand und Küche liegt genau der Abstand, den du selbst bestimmen musst.

Und die Programmdauer ist ein Kompromiss. Wer das Eco-Programm nie nutzt, weil es drei Stunden läuft, bezahlt für einen Wert, den das Label ausweist und den der eigene Haushalt nie erreicht.

Was du am Gerät selbst nachprüfen kannst

Zieh den Netzstecker, bevor du ein Gerät von der Wand wegziehst, um an Typenschild oder Rückseite zu kommen. Erst das Kabel lösen, dann schieben — und nimm dir jemanden dazu, wenn es ein schweres Standgerät ist.

Notiere E-Nummer und Modellbezeichnung. Das Schild sitzt meist im Türrahmen oder an der Innenseite der Tür, bei Kühlgeräten im Innenraum an der Seitenwand. Ein Foto davon ist schneller als Abschreiben und du vertippst dich nicht.

Das Label selbst klebt bei Neugeräten vorn auf dem Gerät und lässt sich abziehen. Fotografiere es vor dem Einbau, zusammen mit dem Kaufdatum, und leg das Bild zu deinen Unterlagen. Spätestens wenn du den Verbrauch mit dem eigenen Messgerät vergleichst, willst du diese Zahl noch haben.

Und dann: glaube dem Label nicht, prüfe es. Ein Steckdosenmesser für rund 20 Euro zeigt dir in einer Woche, was das Gerät bei dir wirklich zieht. Der Abstand zwischen Prüfstand und Küche ist die Stelle, an der die Rechnung kippt.

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