Start › Geräte › Kühlen und Gefrieren › Kühlschrank — wenn es hinten vereist und vorne warm bleibt
Kühlschrank — wenn es hinten vereist und vorne warm bleibt
Ich bin kein ausgebildeter Kundendiensttechniker, und beim Kühlschrank fängt das Problem fast immer hinten an: Die Rückwand im Innenraum vereist, und in den Fächern davor wird es wärmer, obwohl die Anzeige unverändert steht. Bei uns steht das Gerät in einer 60-cm-Nische in der Einbauküche, die noch vom Vormieter ist, und jahrelang habe ich zuerst an die teuren Teile gedacht. Seit der Sache mit der 2-Euro-Münze in unserer Waschmaschine gehe ich es andersherum an: Stecker raus, und dann vom Dummen zum Teuren.
Erste Handgriffe: Stecker raus, Nische frei
Zieh den Netzstecker. Immer, bevor du irgendetwas anderes tust. Bei unserem Einbaugerät steckt er in einer Schuko-Dose im Nachbarfach über dem Gerät, hinter einer Blende, die man mit zwei Fingern nach vorn abziehen kann — „Aus“ am Bedienfeld reicht nicht. Hat dein Kühlschrank einen Festwasseranschluss für Eiswürfel, dreh vorher das Eckventil zu.
Dann der Handgriff, der nichts kostet und trotzdem den halben Ärger erledigt: Nische prüfen. Unsere ist 60 Zentimeter breit, links und rechts bleiben beim Einbau ein bis zwei Zentimeter Luft. Wenn dort eine Einkaufstüte oder ein Geschirrtuch hineingerutscht ist, staut sich die Wärme genau da, wo sie weg soll. Ich lege eine Wasserwaage auf den untersten Fachboden und drehe die vorderen Stellfüße so weit heraus, dass das Gerät etwa zwei Millimeter nach hinten übersteht. Dann fällt die Tür von selbst zu — und erst dann kann die Dichtung überhaupt dicht werden.
Die Rückwand im Innenraum und das Abflussloch
Wenn hinten im Kühlteil eine Eisschicht steht und vorne die Milch trotzdem nicht richtig kalt wird, schaue ich zuerst an die Rückwand. Bei Geräten mit Abtauautomatik bildet sich dort Kondenswasser, läuft nach unten und verschwindet in einem kleinen Loch — meist unten mittig oder rechts, direkt über den Gemüsefächern, rund fünf Millimeter breit. Von dort läuft es nach außen in eine Schale, wo es verdunstet.
Ist das Loch zu, steht das Wasser im Gemüsefach oder läuft vorn unter der Tür heraus. Verstopft wird es von dem, was in jedem Gemüsefach herumliegt: ein Salatblatt, ein Pfefferkorn, ein Stück Etikett. Ich nehme einen Pfeifenreiniger oder ein Wattestäbchen und gehe vorsichtig ein bis zwei Zentimeter hinein, danach gieße ich ein kleines Glas warmes Wasser nach. Läuft es ab, ist der Weg frei; steht es, wiederhole ich es einmal. Metallwerkzeuge lasse ich weg — ein Draht findet auf dem Weg nach unten auch Kunststoff, und daran willst du nicht kratzen.
Eine dünne Reifschicht an der Rückwand ist bei feuchter Sommerluft normal und taut von selbst wieder ab. Soll sie weg: Stecker raus, Tür auf, Handtücher vor die Schwelle, abwarten. Kein Messer, kein Schraubendreher, kein Föhn auf Heißstufe.
Der zweite Punkt an der Rückwand: Lebensmittel dürfen sie nicht berühren. Zwei Zentimeter Abstand reichen, sonst friert die Schüssel fest und die Kälte kommt nicht in den Raum.
Hinten: das Rippenblech und die Lüftung
Zieh das Gerät so weit vor, dass du von hinten herankommst. Bei den meisten freistehenden Geräten hängt dort ein schwarzes Rippenblech, bei Einbaugeräten sitzt der Wärmetauscher oben unter einer Blende. Dort muss die Wärme raus, die dem Innenraum entzogen wird. Genau das meine ich mit „außen“: Ich entferne Staub, ich fasse kein Rohr an.
Der Belag kommt aus der Küche: Staub, der sich mit Fett aus dem Kochdunst verbindet, zu einer grauen Filzschicht, die sitzt wie aufgeklebt. Erst mit dem Handfeger, dann mit der Bürste des Staubsaugers, immer in Richtung der Rippen, nicht quer. Bei uns sind das nach einem Jahr gut zwei Fingerbreit Flusen in der Bürste.
Prüfen kannst du das Ergebnis: Im Betrieb wird das Rippenblech warm, deutlich über Handwärme — ich habe einmal mit dem Küchenthermometer oben am Blech 45 Grad gemessen. Und der Kompressor schaltet sich nach ein paar Minuten wieder ab. Bleibt das Blech kühl und das Brummen läuft durch, wird die Wärme nicht los; dann ist der Luftweg das Problem, nicht die Kälte. Ich höre an dieser Stelle eine Viertelstunde zu, Küchentür zu, ohne dass jemand zwischendurch aufreißt. Ein Kühlschrank, der alle paar Minuten neu anspringt, ist verdächtig.
Die Türdichtung — der Zettel-Test
Der Zettel-Test dauert zehn Sekunden. Nimm ein Blatt Papier, klemm es zwischen Dichtung und Gehäuse, Tür zu, und zieh. Es muss spürbar klemmen, und zwar an allen vier Seiten. Geht das Blatt irgendwo ohne Widerstand raus, zieht dort warme, feuchte Luft hinein, genau dort schlägt sich die Feuchtigkeit nieder, und genau dort fängt die Rückwand an zu vereisen. Bei uns war es die untere Kante, weil dort eine ausgehärtete Falte im Gummi saß.
Gereinigt wird mit warmem Wasser und einem weichen Lappen, danach trocken nachwischen. Bei unseren 18 °dH aus der Leitung bleiben sonst Kalkränder auf dem schwarzen Gummi, und die sehen aus wie Schimmel, sind aber nur Kalk. Scharfe Mittel und Scheuermilch lasse ich weg: Die Dichtung ist ein Hohlprofil mit einem Magnetstreifen darin, und sobald die Oberfläche rau wird, schließt sie nicht mehr.
Gegen eine ausgebeulte Stelle hat bei uns ein Föhn auf niedrigster Stufe geholfen: zehn Sekunden warm anpusten, mit dem Handballen glatt drücken, abkühlen lassen. Hat das Profil einen Riss oder ist der Magnetstreifen gebrochen, hilft nur Tausch. Die Dichtung ist nach E-Nummer als Formteil oder Meterware bestellbar und wird meist nur in eine Nut gedrückt — Mechanik, keine Elektrik.
Temperatur einstellen und nachmessen
Die Skala am Drehregler ist keine Temperaturanzeige. Bei unserem Gerät geht sie von 1 bis 7, und „4“ heißt nicht 4 Grad. Ich prüfe deshalb mit einem einfachen Küchenthermometer in einem Glas Wasser, das ich über Nacht auf den mittleren Fachboden stelle. Am Morgen will ich im Kühlteil etwa 7 Grad sehen, im Gefrierteil minus 18. Unter 5 Grad kühlst du unnötig teuer, über 8 Grad solltest du es wissen.
Dann die Verteilung im Raum. Der kälteste Ort ist bei den meisten Geräten direkt über den Gemüsefächern, der wärmste sind die Türfächer. Milch und Eier gehören deshalb nicht in die Tür, auch wenn die Fächer genau dafür aussehen. Das ist der häufigste Unterschied zwischen „der Kühlschrank ist kaputt“ und „die Milch stand falsch“.
Wann ich aufhöre
Es gibt Befunde, bei denen ich nichts mehr mache. Wenn das Rippenblech sauber ist, die Dichtung dicht, die Temperatur stimmt — und der Kompressor kommt und geht trotzdem im Minutentakt, dann liegt es nicht an dem, was ich erreichen kann. Genauso, wenn nur ein Teil des Geräts nicht mehr kalt wird und der andere schon. Das sind Zustände im Kältekreis, und der ist nicht mein Gebiet.
Bevor ich jemanden rufe, notiere ich die E-Nummer vom Typenschild im Innenraum und den Fehlercode, falls die Anzeige einen zeigt. Damit erspare ich dem Techniker den Termin, an dem er nur nachschaut.
Dann die Rechnung. Auf dem Energielabel stehen kWh pro Jahr; seit der Neusortierung 2021 ist ein altes A+++-Gerät heute oft ein C — kein Rückschritt, nur eine andere Skala. Ein Gerät, das statt 180 kWh plötzlich 320 zieht, kostet bei 35 Cent je kWh knapp 50 Euro im Jahr extra. Und das alte gehört nicht in den Hausmüll: Der Händler nimmt es beim Neukauf mit, sonst fahre ich zum Wertstoffhof, zehn Minuten mit dem Auto.
Prüfliste der Reihe nach
- Netzstecker ziehen — auch beim Einbaugerät, die Dose sitzt meist im Nachbarfach hinter einer Blende.
- Gerät vorziehen und das Rippenblech hinten mit Handfeger und Staubsaugerbürste entstauben.
- Lüftungsgitter oben und Sockel unten freihalten: keine Tüte, kein Karton, kein Tuch davor.
- Abflussloch unten an der Rückwand mit dem Pfeifenreiniger und einem Glas warmem Wasser durchspülen.
- Zettel-Test an der Türdichtung: Das Blatt muss an allen vier Seiten klemmen.
- Temperatur messen: Glas Wasser mit Thermometer über Nacht in die Mitte — 7 Grad im Kühlteil, minus 18 im Gefrierteil.
- Stellfüße prüfen: Gerät steht etwa zwei Millimeter nach hinten geneigt, die Tür fällt von selbst zu.
- Läuft der Kompressor trotzdem im Minutentakt: E-Nummer notieren und den Kundendienst rufen.
Wo ich aufhöre: Ich bin kein ausgebildeter Kundendiensttechniker, und am Kühlschrank ist meine Grenze klar gezogen: Der Kältekreis gehört dem Kälteanlagenbauer. Kältemittel, Kompressor, Verdampfer und alles, was mit Rohren dazwischen liegt, rühre ich nicht an — dafür gibt es einen Beruf, den ich nicht gelernt habe. Ich mache Lüftung, Dichtung, Abflussloch, Temperatur und Standort, alles von außen, alles mit gezogenem Stecker. Sobald ich ein Gehäuse öffnen müsste, um an spannungsführende Teile, an eine Platine oder einen Kondensator zu kommen, bin ich raus, und du solltest es auch sein. Was bleibt, ist Diagnose: E-Nummer notieren, Fehlercode aufschreiben, beschreiben können, was das Gerät tut. Das ist der Teil, der dem Kundendienst wirklich hilft.