StartRatgeber › Wasserhärte messen — was °dH bedeutet und warum dein Gerät sie kennen muss

Wasserhärte messen — was °dH bedeutet und warum dein Gerät sie kennen muss

Bei uns kommen 18 °dH aus der Leitung, Härtebereich „hart“. Das stand nicht auf einem Zettel am Wasserzähler, sondern auf der Seite unseres Stadtwerks — und es erklärt, warum unsere erste Spülmaschine nach zwei Jahren ein neues Heizelement brauchte. Ich bin kein ausgebildeter Kundendiensttechniker, ich bin Lagerlogistiker. Aber diese Zahl zu kennen und sie am Gerät einzutragen, ist kein Handwerk, sondern eine Minute Arbeit.

Wasserhärte messen — was °dH bedeutet und warum dein Gerät sie kennen muss
Wasserhärte-Teststreifen auf der Küchenarbeitsplatte neben einem Glas mit frisch gezapftem kaltem Leitungswasser; daneben liegt der Ausdruck einer Trinkwasseranalyse mit dem eingekreisten Wert 18 °dH.

Kurz gesagt

Was °dH eigentlich zählt

Wasser aus der Leitung ist nie nur H2O. Auf dem Weg durch den Boden nimmt es Calcium und Magnesium auf, und je mehr davon gelöst ist, desto härter ist es. Gemessen wird das in Grad deutscher Härte, abgekürzt °dH: Ein Grad entspricht 10 Milligramm Calciumoxid pro Liter.

Hartes Wasser ist kein Schaden, sondern Trinkwasser, wie es aus dem Boden kommt. Das Problem entsteht beim Erwärmen. Ab etwa 60 Grad zerfällt das gelöste Hydrogencarbonat, Kohlensäure entweicht und zurück bleibt Kohlensaurer Kalk, der sich an heiße Flächen setzt. Und genau dort sitzen in unseren Geräten die teuren Teile: Heizelement, Wärmetauscher, die engen Leitungen im Kaffeeautomaten.

Bei uns sind es 18 °dH. In Nordrhein-Westfalen ist das nichts Besonderes, aber es ist der Bereich, in dem man ein Gerät nicht sich selbst überlassen darf. Wer in einer Gegend mit weichem Talsperrenwasser wohnt, kann bei der Pflege zwei Gänge zurückschalten — und genau deshalb sollte man die Zahl kennen, statt sie zu schätzen.

Der kürzeste Weg: die Seite deines Stadtwerks

Wasserwerke veröffentlichen die Härte ihres Trinkwassers. Such auf der Seite deines Versorgers nach „Trinkwasseranalyse“, „Wasserhärte“ oder „Härtebereich“. Meist gibst du die Postleitzahl ein, manchmal den Straßennamen, weil größere Städte aus mehreren Wasserwerken versorgt werden und selbst innerhalb eines Stadtteils zwei Werte gelten können.

Im Ergebnis steht meist kein einzelner Wert, sondern ein Bereich — bei uns zum Beispiel 16 bis 20 °dH mit der Einstufung „hart“. Für die Einstellung am Gerät nehme ich den oberen Rand. Zu knapp einzustellen ist deutlich teurer als ein halbes Kilo Salz zu viel; das habe ich am eigenen Heizelement gelernt.

Der Wert ist ein Mittelwert. Nach einer Netzumstellung, bei langer Trockenheit oder nach starken Regenfällen bewegt er sich im Jahr durchaus um ein bis zwei Grad. Einmal jährlich nachsehen reicht völlig. Ich habe mir den Wert mit Datum als Notiz ins Handy gelegt, zusammen mit der Einstellung, die an der Spülmaschine steht.

Teststreifen: kalt, frisch gezapft, nicht zu lange warten

Teststreifen für die Gesamthärte gibt es in der Drogerie und im Baumarkt, im Baumarkt auch gleich im Zehnerpack. Sie arbeiten mit einem Farbfeld, das du gegen die Skala auf der Dose hältst.

So mache ich es: Hahn ein bis zwei Minuten laufen lassen, damit das Wasser aus der Leitung kommt und nicht aus dem Standrohr. Glas mit kaltem Wasser füllen, Streifen eintauchen, bis sich das Feld gefärbt hat, kurz abtropfen lassen und vergleichen. Die Wartezeit steht auf der Packung — ich halte sie ein, weil der Farbton weiterläuft und die Ablesung sonst zu hoch ausfällt.

Kalt, immer. Warmes Wasser hat den Boiler durchlaufen und dort schon einen Teil seines Kalks abgegeben; die Probe fällt zu niedrig aus. Das Gleiche gilt für Wasser aus einem Tischfilter oder hinter einer Enthärtungsanlage: Dann misst du die Anlage, nicht dein Netz.

Lagere die Streifen trocken und verschlossen. Ein angebrochenes Röhrchen, das zwei Jahre im Schrank lag, kannst du dir schenken.

Weich, mittel, hart — die drei Härtebereiche

Offiziell gibt es drei Bereiche: Bereich I „weich“ bis 8,4 °dH, Bereich II „mittel“ von 8,4 bis 14 °dH, Bereich III „hart“ über 14 °dH. Diese Einteilung findest du auf jeder Waschmittelpackung wieder, meist als kleine Tabelle mit drei Spalten.

Warum das fürs Waschen zählt: Ein Teil des Waschmittels ist Enthärter. Der bindet zuerst das Calcium und Magnesium im Wasser, und erst was dann übrig bleibt, geht an Fett und Schmutz in der Wäsche. Bei 18 °dH wird also ein merklicher Anteil des Pulvers für das Wasser verbraucht — deshalb die höhere Dosierstufe.

Trotzdem blind mehr nehmen ist falsch. Was zu viel ist, bleibt in der Faser und in der Maschine, die Wäsche wird grau und die Maschine fängt mit der Zeit an zu riechen. Ich wiege bei einer vollen Ladung mit der Küchenwaage ab, weil die Angaben auf der Packung sich auf eine bestimmte Ladungsmenge und auf genau diesen Härtebereich beziehen.

Den Wert am Gerät eintragen

Zieh den Netzstecker, bevor du an einem Gerät etwas einstellst, für das du eine Klappe öffnest, einen Behälter aufdrehst oder in den Innenraum greifst. Das ist die erste Handlung, nicht die zweite. Danach geht es um drei Stellen im Haushalt.

Die Spülmaschine zuerst, weil dort der Schaden am teuersten ist. Im Gerät sitzt eine kleine Enthärtungsanlage mit einem Harz, das Calcium gegen Natrium tauscht. Irgendwann ist das Harz gesättigt, dann spült die Maschine es mit Salzlösung frei — dafür ist das Spezialsalz da. Wie oft sie das tut, erfährt sie nur aus der eingestellten Härte. Steht sie auf „weich“, obwohl 18 °dH durchlaufen, regeneriert sie viel zu selten: Der Behälter ist voll, das Heizelement verkalkt trotzdem.

Das war zwischen 2019 und 2021 unser Fall. Salz war drin, die Einstellung fehlte, und am Ende hat der Heizelement-Tausch mit Arbeitszeit 240 Euro gekostet. Seitdem ist meine erste Frage an jede fremde Spülmaschine nicht „welche Tabs nimmst du“, sondern „wo steht deine Wasserhärte“.

Waschmaschine: Die meisten Geräte kennen keine direkte Eingabe, dort steuerst du den Härtebereich über die Dosierstufe des Waschmittels. Manche haben einen Menüpunkt dafür; steht er auf weich, meldet die Maschine zu spät, dass entkalkt werden sollte. Beim Kaffeevollautomaten ist es eindeutiger: Fast jedes Gerät hat einen Härtegrad im Menü, oft mit einem eigenen Teststreifen zum Einstellen. Bei 18 °dH rechne ich mit drei Monaten zwischen zwei Entkalkungen statt der sonst üblichen sechs.

Wann du neu messen solltest

Nach einem Umzug immer, auch innerhalb derselben Stadt. Zwischen zwei Stadtteilen können zehn Grad liegen, und die Einstellung, die du mitgenommen hast, passt dann nicht mehr.

Sonst einmal im Jahr. Und immer dann, wenn der Versorger eine Umstellung ankündigt — solche Mitteilungen hängen im Hausflur oder liegen der Wasserrechnung bei.

Zwingend ist es außerdem, wenn im Haus eine Enthärtungsanlage verbaut ist. Dann zählt nur, was am Hahn herauskommt. Der Wert aus dem Netz hat damit nichts mehr zu tun, und die Geräte interessiert ausschließlich das, was bei ihnen ankommt.

Häufige Fehler