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Werkzeug — was du wirklich brauchst
Mein Werkzeug passt in eine Kiste mit zwei Fächern. Zehn Jahre lang habe ich an den Geräten in diesem Haus und an denen von Nachbarn und Verwandten geschraubt, und was ich davon wirklich in jeder Saison in der Hand hatte, sind sieben Dinge. Ich bin kein ausgebildeter Kundendiensttechniker, sondern Lagerlogistiker — und ich kaufe erst nach, wenn ich etwas dreimal gebraucht hätte und nicht hatte.
Kurz gesagt
- Multimeter von 2016, Torx T20 und T15, Wasserhärte-Teststreifen, Endoskop-Kamera von 2021, Küchenwaage, Messschieber und eine alte Zahnbürste.
- T20 für die Blechschrauben an großen Gehäusen, T15 für Bedienblenden und Kleingeräte. Der Rest der Bit-Sammlung bleibt liegen.
- Die Kamera ersetzt mir inzwischen das Ausbauen: Pumpengehäuse, der Spalt zwischen Trommel und Laugenbehälter, der Kondensator am Trockner.
- Nie gebraucht in zehn Jahren: Lötkolben von 2015, Lagerabzieher von 2017 und gut dreißig Bits, die im Koffer mitgeliefert wurden.
- Vor jedem Griff in die Kiste: Netzstecker ziehen, und wenn Wasser im Spiel ist, den Hahn zu.
Erst die Regel, dann die Kiste
Zieh den Stecker. Immer. Bevor du in die Kiste greifst, bevor du eine Schraube löst, bevor du überhaupt eine Klappe öffnest. Bei Geräten mit Wasseranschluss kommt der Hahn dazu. Das ist die einzige Regel, die ich nie abkürze, und sie kostet fünf Sekunden.
Zweite Regel: Mein Multimeter kommt nur an spannungsfreie Dinge — Steckdosen, Kabel, ausgebaute Bauteile, Batterien. Messungen am geöffneten, eingesteckten Gerät mache ich nicht, und ich rate dir davon ab.
Dritte: Bevor irgendetwas zerlegt wird, ein Foto mit dem Handy. Ich habe 2017 die Brühgruppe des Kaffeeautomaten zerlegt und beim Zusammenbau eine Dichtung falsch herum eingesetzt; das Wasser stand danach in der Auffangschale. Seitdem gilt: Jeder Schritt ein Bild.
Die sieben Dinge, mit Baujahr
Das ist eine Bestandsaufnahme, keine Einkaufsliste:
- Multimeter, 2016 im Baumarkt gekauft. Ich messe damit Steckdosen (230 V), Durchgang, Widerstand an ausgebauten Teilen und Batterien. Im Januar prüfe ich jedes Jahr den 9-Volt-Block: Eine schwache Batterie zeigt dir Werte, die du für einen Defekt hältst, den es nicht gibt.
- Torx T20 und T15, aus einem Satz von 2013. T20 für die Blechschrauben an großen Gehäusen, T15 für Bedienblenden und Kleingeräte. Mit dem falschen Bit drehst du den Kopf rund — danach brauchst du einen Bohrer, und der Nachmittag ist gelaufen.
- Wasserhärte-Teststreifen. Bei uns 18 °dH, Härtebereich „hart“. Ich messe einmal im Jahr neu und gleiche mit der Angabe der Stadtwerke ab, weil sich die Wasserführung ändern kann.
- Endoskop-Kamera, 2021. Kopf knapp acht Millimeter, rund drei Meter Kabel, Licht direkt am Kopf, Bild aufs Handy.
- Küchenwaage, Baujahr 2011. Zum Backen gekauft, wandert sie für zwei Dinge in die Werkstatt.
- Messschieber aus Kunststoff, 2022. Für Ersatzteilmaße. Seit ich ihn habe, habe ich kein Teil mehr nach Augenmaß bestellt.
- Eine alte Zahnbürste, seit 2019 in der Kiste, dazu eine Packung Wattestäbchen. Flusensieb, Einlaufsieb, Dichtungsfalten, Siebgruppe.
Dazu kommen vier Dinge, die kein Werkzeug sind, ohne die ich aber nicht anfange: eine flache Wanne, zwei alte Handtücher, die Taschenlampe am Handy und Gefrierbeutel mit Zettel für Schrauben.
Die drei, die alle belächeln
Endoskop-Kamera, Küchenwaage und Zahnbürste kosten zusammen weniger als ein Satz guter Bits. Sie haben mir mehr Eingriffe erspart als alles andere in der Kiste.
Die Kamera nehme ich an vier Stellen: im Pumpengehäuse, im Spalt zwischen Trommel und Laugenbehälter (dort landen Bügel, Münzen und der eine Socken, den du seit Monaten suchst), im Kondensator des Trockners und hinter Einbaugeräte in der 60-Zentimeter-Nische, wo man sonst blind fummelt. Wichtig: Sie ist gegen Spritzwasser geschützt, nicht zum Tauchen. Ich halte sie nur in leere, trockene Hohlräume — und immer am ausgesteckten Gerät, nie in etwas, das sich dreht.
Die Küchenwaage hat mir zwei Dinge beigebracht. Erstens, was mein Waschmittelbecher wirklich hergibt: Ich habe einmal abgewogen, was ein gestrichener Becher wiegt — bei mir waren es 78 Gramm und nicht die 50, die ich im Kopf hatte. Zweitens, wie schwer nasse Wäsche ist: Viereinhalb Kilogramm trocken sind nach dem Schleudern deutlich mehr, und das erklärt manches Trockenprogramm, das „nicht fertig wird“.
Die Zahnbürste ist das Werkzeug, das am häufigsten benutzt wird. Sie kommt in Siebe, in Dichtungsfalten und in die Siebgruppe der Spülmaschine — überall dort, wo ein Lappen zu grob und Wasser allein zu wenig ist.
2014 hätte mir eine Kamera die 2-Euro-Münze im Pumpengehäuse in fünf Minuten gezeigt. Ich habe damals einen Kundendiensttermin gebraucht, um davon zu erfahren.
Was ich in zehn Jahren nie gebraucht habe
Drei Dinge liegen in der Kiste, die ich kaufen musste, um zu merken, dass ich sie nicht brauche:
- Lötkolben, 2015. Zweimal in der Hand gehabt. An Platinen gehe ich nicht ran, also brauche ich ihn nicht.
- Lagerabzieher für Waschmaschinenlager, 2017. Der Lagertausch ist ohne Werkbank und Presse für mich nicht machbar. Das Teil ist sauber verpackt und völlig nutzlos.
- Ein Bit-Satz mit über dreißig Teilen. Gebraucht habe ich vier Bits, zwei davon ständig.
Meine Regel heute, nach diesen drei Käufen: Ich kaufe erst nach, wenn ich dreimal geflucht habe, weil mir etwas gefehlt hat. Der Messschieber von 2022 ist so in die Kiste gekommen, die flache Wanne auch — nachdem ich das Flusensieb zweimal ohne Wanne und damit zweimal mit nassem Boden geöffnet hatte.
Ein Steckdosen-Messgerät für 20 Euro ist 2017 dazugekommen, weil ich wissen wollte, was die alte Gefriertruhe wirklich verbraucht. Es ist kein Reparaturwerkzeug, aber es beantwortet die Frage „reparieren oder neu“ besser als jedes Bauchgefühl.
Was nachgekommen ist
Nach zehn Jahren ist die Liste um genau drei Dinge länger als beim Start: den Messschieber, das Steckdosen-Messgerät und die Endoskop-Kamera. Alle drei habe ich gekauft, weil mir eine Zahl oder ein Blick gefehlt hat, nicht weil sie in einem Katalog schön aussahen.
Beim Messschieber war es die Ersatzteilbestellung: Ohne gemessene Maße bestellst du zweimal. Beim Steckdosen-Messgerät war es die Stromrechnung. Bei der Kamera war es der Wunsch, nicht jedes Mal ein Gehäuse öffnen zu müssen, nur um zu gucken.
Was ich dagegen nie gekauft habe, obwohl es oft empfohlen wird: einen Drehmomentschlüssel. In zehn Jahren habe ich an keinem Gerät eine Schraube gefunden, zu der ein Drehmoment angegeben war — die Schrauben an Gehäusen und Haltern ziehe ich handfest an, nicht mehr.
Das ist mein einziges Kriterium geworden: Ein Werkzeug, das dir eine Bestellung, eine Messung oder einen Ausbau erspart, bezahlt sich. Alles andere ist Vorratshaltung.
Wo Werkzeug aufhört
Ein Werkzeug zu besitzen heißt nicht, dass der Eingriff eine gute Idee ist. Meine Liste endet an vier Stellen: Lagertausch an der Waschmaschine, alles am Kältekreis, alles an Gas, und alles, wofür ich das Gehäuse öffnen müsste, um an spannungsführende Teile zu kommen.
Ich bin kein ausgebildeter Kundendiensttechniker, sondern Lagerlogistiker. Was hier in der Kiste liegt, ist das, was in zehn Jahren in diesem Haus funktioniert hat — und die Liste der Dinge, die ich gekauft und nie gebraucht habe, gehört ehrlicherweise dazu.
Häufige Fehler
- Einen großen Bit-Koffer kaufen. Zwei Torx-Größen decken bei mir neun von zehn Schrauben ab.
- Die Batterie im Multimeter vergessen. Ein schwacher 9-Volt-Block zeigt dir einen Defekt, den es nicht gibt.
- Ohne Beutel und Zettel zerlegen. Schrauben sortieren sich nicht von selbst zurück.
- Die Endoskop-Kamera in ein volles Pumpengehäuse halten. Spritzwassergeschützt heißt nicht wasserdicht.
- Werkzeug für Arbeiten kaufen, die du dann nicht machen darfst. Der Lötkolben von 2015 ist, gemessen am Nutzen, das teuerste Stück in meiner Kiste.