StartGeräteKochen und Backen › Mikrowelle — wenn es nicht mehr warm wird

Mikrowelle — wenn es nicht mehr warm wird

Ich bin kein ausgebildeter Kundendiensttechniker — und bei der Mikrowelle ist das mehr als eine Floskel, die ich zur Sicherheit hinschreibe. Im Inneren dieses Geräts arbeitet Hochspannung, und die bleibt gefährlich, wenn der Stecker längst draußen ist. Alles, was ich hier zeige, spielt sich deshalb im Garraum ab: Glimmerplatte, Türhaken, Drehteller, eine Schüssel Wasser. Unsere steht in einem Hochschrank auf Augenhöhe, in einem 60-cm-Fach, und seit ich dort einmal eine verschmorte Glimmerplatte gesehen habe, schaue ich alle paar Monate nach — das dauert fünf Minuten und erspart den Schreck.

Typische ProblemeWird nicht mehr warm, Teller dreht nicht, Funken im Garraum, Tür schließt nicht, Display dunkel, Speisen ungleichmäßig heiß
Aufwand15 Minuten für Garraum und Drehteller, eine halbe Stunde mit Glimmerplatte tauschen
WerkzeugTaschenlampe, weicher Lappen, Schüssel, Zitronensäure, Küchenpapier, weiche Bürste, Steckdosenmesser
GrenzeAlles hinter der Garraumwand: Magnetron, Transformator, Hochspannungskondensator. Ich öffne das Gehäuse nicht, auch nicht bei gezogenem Stecker.
Mikrowelle — wenn es nicht mehr warm wird
Geöffnete Mikrowellentür mit Blick in den Garraum: rechts an der Seitenwand die ausgebaute Glimmerplatte, davor der herausgenommene Glasteller mit Rollenring und eine Schüssel Wasser auf der Arbeitsfläche.

Erste Handgriffe: Stecker raus, Dose prüfen

Zieh den Netzstecker. Immer, bevor du irgendetwas anderes tust — auch dann, wenn du nur den Drehteller herausnehmen willst. Das ist bei diesem Gerät keine Formalität. Im Inneren sitzen Teile, die ihre Ladung halten, und genau deshalb beschränkt sich meine Arbeit auf den Innenraum.

Unsere Mikrowelle steht in einem 60-cm-Fach im Hochschrank und hängt an einer 230-V-Schuko-Dose hinter der Rückwand. „Aus“ am Bedienfeld heißt nicht spannungsfrei — die Uhr läuft schließlich weiter, und die zieht Jahr für Jahr Strom. Ich habe mit dem Steckdosenmesser nachgemessen: Bei uns waren es knapp 3 Watt Dauerleistung nur für die Uhr, das sind rund 25 Kilowattstunden im Jahr. Wer die Anzeige nicht braucht, hängt das Gerät an eine abschaltbare Leiste.

Bleibt das Display dunkel und das Gerät reagiert auf gar nichts, stecke als erstes eine Lampe in dieselbe Dose. Klingt banal, ist aber der Punkt: Die Hälfte aller plötzlich „kaputten“ Kleingeräte, die ich bei Verwandten gesehen habe, hing an einer Steckdosenleiste, deren Schalter jemand versehentlich erwischt hatte.

Die Glimmerplatte — die Stelle, die alle übersehen

Wenn es im Garraum funkelt oder nach verschmortem Fett riecht, ist in den meisten Fällen die Glimmerplatte schuld. Sie sitzt an der rechten Seitenwand des Garraums, bei manchen Geräten oben unter der Decke: eine graubraune, leicht biegsame Platte, meist mit zwei Schrauben oder Clips befestigt. Sie deckt die Öffnung ab, durch die die Energie in den Raum kommt, und sie liegt genau dort, wo Fettspritzer hinkommen.

Schau sie dir mit der Taschenlampe an. Sauber ist sie hellbeige bis grau und durchgehend gleichmäßig. Verdächtig sind drei Befunde: eine braune, verbrannte Stelle in der Mitte; ein Loch oder eine durchgeschmorte Kante; und eine Platte, die sich gelöst hat und durchhängt. Eine leicht verfärbte Platte kannst du weiter benutzen. Eine mit Loch oder Brandstelle nicht — dort schlägt Feuchtigkeit aus dem Gargut hinein, und das endet mit Funkenflug.

Die Platte zu tauschen dauert zehn Minuten: Stecker raus, Clips oder Schrauben lösen, Platte herausnehmen, neue einsetzen. Bestellt wird nach E-Nummer, sie kostet im Netz meist unter 15 Euro. Wichtig ist, dass du sie genau in derselben Lage einsetzt: Die Platte ist oft asymmetrisch, und eine schief sitzende berührt das Gitter davor. Was hinter der Platte liegt, interessiert mich nicht. Ich sehe sie an, ich tausche sie, ich gehe nicht weiter hinein.

Die Tür: Haken, Dichtung und der Schalter dahinter

Meldet das Gerät „Tür offen“, läuft nicht an oder bricht nach zwei Sekunden ab, ist der erste Verdächtige die Mechanik der Tür und nicht die Elektronik. Am Rand sitzen zwei oder drei Kunststoffhaken, die in Öffnungen im Gehäuse greifen. Sind die verbogen oder abgebrochen, schließt die Tür nicht weit genug.

Prüfen kannst du das ohne Werkzeug: Die Tür muss mit einem deutlichen Klicken zugehen, und wenn du sie geschlossen oben anfasst, darf sie kein Spiel haben. Dann das Sichtfenster: Die Gittereinlage muss glatt sein, ohne Beule und ohne tiefen Kratzer. Und die umlaufende Dichtung — bei uns setzt sich dort Fett ab, das mit der Zeit hart wird. Warmes Wasser, weicher Lappen, danach trocken nachwischen.

Der Türschalter selbst sitzt hinter der Frontblende, dort, wo die Haken hineingreifen. Ich prüfe, ob die Haken greifen und ob die Tür ohne Spiel schließt. Wenn das stimmt und das Gerät trotzdem nicht anläuft, bleibt der Verdacht am Schalter — und der sitzt hinter einer Blende, für die ich das Gehäuse öffnen müsste. An diesem Punkt höre ich auf. Ich schaue hin, ich messe nichts, ich baue ihn nicht aus.

Garraum reinigen: Dampf statt Schrubben

Der einfachste Weg, den Garraum sauber zu bekommen, ist Dampf. Eine Schüssel mit 300 bis 400 Millilitern Wasser, dazu ein Teelöffel Zitronensäure, fünf Minuten bei voller Leistung. Danach die Tür fünf Minuten geschlossen lassen und erst dann öffnen: Der Belag an Decke und Wänden ist dann so aufgeweicht, dass ein Lappen reicht. Schrubben ist hier kontraproduktiv — die Beschichtung im Garraum ist dünn, und jede Macke rostet.

Bei unseren 18 °dH, Härtebereich „hart“, kommt ein zweiter Schritt dazu: Nach dem Auswischen bleibt ein Kalkfilm, weil das Wasser in der Schüssel Leitungswasser war. Ich wische deshalb mit einem zweiten, nur mit klarem Wasser angefeuchteten Lappen nach und trockne mit Küchenpapier. Sonst hast du die Fettränder weg und dafür weiße Schlieren, und auf dunklen Garraumwänden sieht man die deutlicher als auf hellen.

Die Schüssel Wasser hat noch einen zweiten Zweck, den ich öfter nutze als die Reinigung: Ein Brötchen vom Vortag wird mit einer Tasse Wasser daneben wieder weich, weil die Krume Feuchtigkeit zieht statt sie zu verlieren. 30 Sekunden bei mittlerer Leistung reichen, länger wird es zäh.

Zwei Dinge gehören in keinen Garraum: Metall jedweder Art und verschlossene Behälter. Ein ganzes Ei in der Schale auch nicht — es platzt, und meist beim Herausnehmen, nicht im Gerät. Und nie leer laufen lassen: Ohne Wasser im Raum hat die Energie nichts, woran sie sich abreagieren kann.

Drehteller, Mitnehmer und Rollenring

Wenn die Suppe außen kocht und in der Mitte noch kalt ist, liegt es fast immer daran, dass sich der Teller nicht dreht. Drei Teile sind beteiligt: der Glasteller, der Rollenring mit seinen drei Rädern darunter und der Mitnehmer in der Mitte des Bodens, der auf einen Zapfen gesteckt wird.

Nimm erst den Teller heraus, dann den Ring. In den Rillen des Rings sammeln sich Krümel und eingetrocknete Soße; die Räder bleiben dann stehen und der Ring schleift. Warmes Wasser, weiche Bürste, trocken nachwischen. Der Mitnehmer hat meist drei Nasen. Ist eine abgebrochen, dreht der Teller zwar mit, ruckelt aber und bleibt unter Last stehen. Ersatz gibt es nach E-Nummer für wenige Euro.

Und noch etwas, das keine Reparatur ist, sondern Physik: Mikrowellen erwärmen ungleichmäßig, mit heißen und kalten Zonen. Deshalb die Schüssel in die Mitte stellen, bei größeren Mengen nach der halben Zeit umrühren und dem Gargut danach ein bis zwei Minuten Stehzeit geben. Bei uns ist das die häufigere Ursache für halb kaltes Essen als jeder Defekt.

Wann ich aufhöre und was danach kommt

Drei Befunde bedeuten sofort Schluss: Funken, Rauch oder ein Geruch nach verschmortem Kunststoff. In allen drei Fällen: Stopp drücken, Stecker ziehen, Gerät nicht weiter benutzen. Auch ein Brummen, das neu auftritt, gehört dazu. Wenn die Mikrowelle brummt, aber die Tasse nach zwei Minuten noch kalt ist, ist das kein Fall für Zahnbürste und Zitronensäure.

Bevor ich jemanden rufe, notiere ich die E-Nummer und den Fehlercode, falls das Display einen zeigt. Das Schild sitzt meist im Türrahmen oder hinten am Gehäuse. Und dann rechne ich: Eine einfache Mikrowelle kostet neu unter 100 Euro, ein Kundendiensttermin mit Anfahrt liegt oft darüber. Bei einem Einbaugerät in der 60-cm-Nische sieht die Rechnung anders aus, weil schon der Ausbau Arbeit macht — aber auch dann treffe ich die Entscheidung nicht, indem ich am Gerät herumprobiere.

Was am Ende übrig bleibt, gehört nicht in den Hausmüll. Kleingeräte nimmt der Wertstoffhof, zehn Minuten mit dem Auto; große Händler nehmen sie beim Neukauf mit. Das gilt für alle Geräte mit Stecker oder Akku, nicht nur für dieses.

Prüfliste der Reihe nach

Wo ich aufhöre: Ich bin kein ausgebildeter Kundendiensttechniker, und an der Mikrowelle ziehe ich die Grenze enger als an jedem anderen Gerät im Haus. Was ich anfasse: den Garraum, die Glimmerplatte, den Drehteller mit Rollenring und Mitnehmer, die Tür von außen und innen samt Dichtung. Was ich nicht anfasse: alles, was hinter der Garraumwand sitzt. Ein solches Gerät arbeitet im Inneren mit Hochspannung, und der Kondensator dort kann seine Ladung halten, auch wenn der Netzstecker längst gezogen ist. „Stecker raus“ gilt hier trotzdem als erste Regel — aber es schützt mich nur bei dem, was im Garraum liegt, und für nichts darüber hinaus. Ich öffne das Gehäuse nicht, ich biege keine Bleche auf, und ich gehe nicht an Magnetron, Transformator, Hochspannungsdiode oder Kondensator. Auch der Türschalter ist für mich nur von außen zu prüfen: Haken greifen, Tür schließt ohne Spiel, mehr nicht. Sobald ich eine Gehäusewand entfernen müsste, um an spannungsführende Teile zu kommen, bin ich raus — und du solltest es auch sein.